Europa Reiseberichte

Osteuropa

Meine Stadt, mein Bezirk, mein Viertel, meine Gegend, meine Straße, mein Zuhause, mein Ostblock!

Osteuropa hat ein Imageproblem und ist Reizthema. Kein Wunder nach jahrzehntelanger Antiwerbung der Meister der subtilen Beeinflussung, kein Wunder nach Jahrzehnten selbst gewählter Isolation, um das politisch brisante Projekt Kommunismus unter geschützten Bedingungen ablaufen zu lassen. Doch die Welt hat immer auch mit einem neutral interessierten Auge die Entwicklung im angrenzenden Osten mitverfolgt. In der Literatur wird die russische Seele nach wie vor als die reichste und erzählbegabteste europäische Stimme gehandelt und die Entflohenen, die sich unter das Volk gemischt haben, haben mit ihren warmen Geschichten über das Leben dort, den Blick gen Osten geerdet. Das Erscheinungsbild vor Ort differiert sehr stark zwischen alten preußischen Prachtvillen in Polen, rumänischen Dörfern, deren Straßen aus Pflastersteinen und Staub gebaut sind, über welche noch die Pferdewagen poltern, bis zur Moskauer Innenstadt, die mit renoviertem Prunk das Machtzentrum markiert.

Den älteren Leuten fehlen oft ein paar Zähne, doch ihr Lachen, in den von der Zeit natürlich gestalteten Gesichtern, ist schön und echt. Auf zur Schau getragene Fassade sind vor allem die jungen Frauen eingeschweißt. Die Outfits sind eine Mischung aus psychologisch wohl eingesetztem Make Up, die slawischen Augen leuchten und kurze Röcke sowie knall enge Hosen sind vor allem in den Städten die geschlechterdefinierte Berufskleidung bis zum vierzigsten Lebensjahr.

Es gibt für kulturell Interessierte ein reiches Angebot der schönen Künste, die auch ohne Sprachkenntnisse zu genießen sind, und bei moderner Interpretation ist vor allem Multimedia Art stark im Wachsen.

Interessant im ganzen Gebiet ist vor allem das Wachsen, der Aufbruch, das Annehmen und Verwerten der neuen kapitalistischen Möglichkeiten, die gelebten Traditionen und diese aufmüpfige Energie, die man allerorts verspürt.




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