Europa Reiseberichte

Der Balkan

Balkan Fieber

Ganz Mitteleuropa wird seit einem Jahr vom Balkanfieber ergriffen. Vom Gipsy Sound, den sich auch deutsche Musiker wie Shantel zu nutze machen, bis zu riesigen Turbo-Folk-Festivals mit Ceca als Headliner, wiegen sich die kulturell aufgeschlossenen Europäer zu den einnehmenden Klängen, die verstehen, das Blut in Wallung zu bringen. Der Ursprung des ganzen Phänomens ist nur am Geburtsort selbst zu erforschen. Wer sich in Balkan-Gebiet begibt, seien es die ex-jugoslawischen Staaten oder Bulgarien, befindet sich plötzlich auf ambivalentem Territorium. Die Menschen reden sehr schnell und es ist ihnen eine kraftvolle Intonation ihrer Sätze eigen. Gleichzeitig sind sie in ihren Handlungen sehr geruhsam und bedacht. Doch das Blatt kann sich immer wenden, das lernt der Reisende schnell, und der kulturelle Kodex ist nicht so einfach zu knacken, wie anfangs gedacht.

Wo immer man zum Essen eingeladen wird, ja, wo immer Menschen dort essen, gibt es jede Menge Fleisch. In allen Variationen, auch schon zum Frühstück, wenn es ein besonders schöner Tag werden soll. Zuneigung und Freundschaft werden in diesen slawischen Ländern gerne mit zu groß geratenen Buffets gezeigt und rucksackgroße Jausenpakete erinnern auch noch unterwegs an den lieben Menschen.

Wenn man im Sommer, der neben dem Frühling sicherlich die zu empfehlende Reisezeit ist, in den Laden an der Ecke einkaufen geht, egal ob in Belgrad Stadt oder an der kroatischen Küste, kann es sein, dass die Dame vor einem in der Reihe als Unterkleidung nicht mehr als einen String spazieren trägt. Das regt hier keinen auf, es regt höchstens an. Kein Wunder möchte man meinen, bei der Anzahl von – oh mein Gott ich glaube ich falle um – Schönheiten, die jeden Gehsteig zum Laufsteg der selbstbewusst vorgetragenen Attraktion werden lassen.

Ach ja: an den Zeitungsständen sind keine Formate a la „Zürcher Zeitung“ zu finden, alles ist bunt bebildert und voller Skurrilitäten. Und zum Abschluss noch einen politischen Tipp: Wer Tito toll findet, ist meist bei Jung und Alt auf der sicheren Seite und die tollsten und skurrilsten Anekdoten kommen sicherlich aus dieser Zeit.




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